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Sie wissen ja, wie das ist …

Nein, eigentlich nicht.

Rücken-, Nacken- oder Schulterschmerzen?

In den letzten Monaten habe ich den Satz “Sie wissen ja, wie das ist …“ sehr oft gehört. Vorwiegend Patienten mit Rücken-, Nacken- oder Schulterschmerzen haben dies gesagt. Meistens erzählten sie im Vorfeld, dass die Corona-Pandemie zu einer Schließung der Fitnessstudios geführt habe. Und dass sie wegen der Corona-Pandemie auch nicht mehr herauskämen. Und sie deswegen sehr viel weniger bis keinen Sport mehr machen. Und dann kommt der er, der berüchtigte Satz: ”Sie wissen ja, wie das ist …“

Lockdown führt zu Schockstarre

Es scheint so zu sein, dass für viele das geöffnete Fitnessstudio der Ansporn ist, Sport zu machen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Im Gegenteil: wenn dies der Grund ist, dass Menschen sich bewegen, ihren Körper trainieren und etwas für ihre Gesundheit tun, dann kann es nicht genug offene Fitnessstudios geben. Nur warum fallen einige Menschen im Lockdown in eine „Schockstarre” und meiden jedes Zuviel an Bewegung? Es gibt doch unzählige Möglichkeiten, etwas für die eigene Gesundheit zu tun. In Deutschland hatten wir das Glück, dass es nicht wie in einigen anderen Ländern eine Art “Hausarrest” gab und die Wohnung nur für Arztgänge oder Einkäufe verlassen werden durfte. Und wir hatten das Glück, dass das Wetter in der Zeit des Lockdowns meistens gut war. Es muss also einen anderen Grund geben, warum Menschen bei Schließung der Fitnessstudios nicht in der Lage sind, selbst Sport auszuüben.

Bewegung ist immer möglich

Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen. Entweder allein oder in der Gruppe (unter Corona-Auflagen nur mit eigenem Haushalt). Entweder zu Hause oder im Freien. Sport können die Joggingrunde, eine längere Wanderung, eine Radtour oder das Fitnessprogramm zu Hause sein. Mit oder ohne Geräte. Mit Fitnessbändern, Hula Hoop Reifen oder Bällen. Es gibt mit Sicherheit für jeden eine Sportart oder ein Spiel, welches Spaß macht. Und das Internet, insbesondere YouTube, bietet enorm viele Informationen, Videos und Anleitungen, um zum Beispiel die Rückenmuskulatur aktiv zu stärken. Doch warum kommen manche einfach nicht in die Gänge?

Sich überwinden ist der erste Schritt

Sich zur überwinden, den ersten Schritt zu machen und mit dem Bewegungsprogramm zu beginnen, scheitert oft schon an einer fehlenden Motivation. Doch genau an dieser Stelle beginnt schon das Sportprogramm – also schon vor der ersten körperlichen Betätigung. Die Entscheidung etwas für die eigene Gesundheit zu machen und (vielleicht) am Anfang den „inneren Schweinehund“ zu überwinden, ist oft am schwierigsten. Obwohl ich selbst gerne und regelmäßig Sport mache, frage ich mich manchmal selbst, ob es jetzt unbedingt sein muss. Mein Tipp in solchen Situationen ist: gar nicht darüber nachdenken, sondern einfach loslegen. Wenn ich dann in Bewegung bin, läuft es von selbst. Die Erfahrung zeigt, dass es die ersten Male zunächst schwerer fällt, aber wenn eine Routine entwickelt wird, mit dem Sport zu beginnen und sich erste (sportliche) Erfolge einstellen, ist es irgendwann selbstverständlich, sich zu bewegen. 

Es gibt viele gute Gründe

Vielleicht ist dann doch der Schmerz nicht groß genug? Es muss nicht immer der körperliche Schmerz sein. Auch eine sehr persönliche Emotion kann schmerzhaft und belastend sein. Das Gefühl, in einer Gruppe nicht anerkannt zu sein. Nur wenige Freunde zu haben. Oder mit der eigenen Figur unzufrieden zu sein. David Goggins ist mit seinem „Accountability mirror“ vielleicht etwas zu extrem, aber er trifft es hierbei auf dem Punkt: er schreibt die Eigenschaften, die er an sich nicht mag und/oder ändern möchte, auf Klebezettel und klebt diese auf seinen Badezimmerspiegel. Einmal am Tag stellt er sich davor und fragt sich, was er erstens tun muss und zweitens getan hat, um diese zu ändern. Und er geht mit sich selbst wirklich hart ins Gericht. Auf diese Weise hat er es geschafft, sich von einem stark übergewichtigen und kranken Mann in „The toughest man alive“ und aus dem gesellschaftlichen Abseits zu einem Vorbild für viele andere zu entwickeln.

Routine entwickeln – und durchziehen

Motivation, persönliche Ziele und das feste Einplanen der (täglichen) Sporteinheit scheinen hierbei die größte Rolle zu spielen. Der Besuch im Fitnessstudio hat für viele einen festen Zeitpunkt im persönlichen Kalender. Wenn die Motivation ist, sich mit anderen zu treffen, danach einen guten Kaffee zu trinken und gute Musik zuhören – bestens!

  1. Legen Sie fest, was Sie erreichen wollen und schreiben sie es auf. Vielleicht auf einen Klebezettel am Spiegel? Ist das Ziel, keine Schmerzen zu haben, sich einfach gut zu fühlen oder im nächsten Jahr 10 km ohne Unterbrechung laufen zu können? Fragen sie sich jeden Tag, was sie dafür gemacht haben.
  2. Wie können Sie sich selbst belohnen? Manche sind schon glücklich, wenn sie 1 h Sport gemacht haben? Andere nehmen sich kurz danach eine Auszeit, setzen sich in Ruhe hin und lassen die Gedanken schweifen. Oder ist die Belohnung ein neues Trainings-Outfit (eventuell eine Kleidergröße kleiner)?
  3. Legen Sie im Vorfeld mit einem Kalendereintrag fest, wann Sie Ihren Sport ausführen wollen. Das ist Ihre persönliche Zeit. Sie dürfen nicht gestört werden. Diese Termine dürfen weder verlegt werden noch für andere Termine weichen.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Fitnessstudios jetzt länger aufbleiben. Damit jeder wieder weiß, wie es ist …

Bild von wal_172619 auf Pixabay