Berlin – Frankfurt
Ich sitze gerade im ICE von Berlin nach Frankfurt, frisch zurück von einer Sitzung des Arbeitskreises Blut am Robert-Koch-Institut. Es war ein inspirierender Austausch, geprägt von beeindruckend strukturierten Diskussionen und tiefem Wissen. Doch während ich die Eindrücke Revue passieren lasse, fällt mir mein Abteil ins Auge – und ich kann nicht anders, als eine spontane Querschnittserhebung durchzuführen.
Die Studie
Vor mir: 42 Menschen, Frauen und Männer, etwa gleich verteilt. Und die Sitzpositionen sprechen Bände.
- 17 Personen schauen seit über zwei Stunden mit gesenktem Kopf auf ihr Smartphone.
- 8 weitere verfolgen einen Film auf ihrem Tablet, wobei fünf von ihnen so tief in ihre Sitze gesunken sind, dass ihre Nacken um fast 70° nach vorne gebeugt sind.
- 9 Personen arbeiten konzentriert an ihren Laptops – alle nach vorne gebeugt, weil die Tische im ICE schlicht zu niedrig sind.
Das Ergebnis: gekrümmte Rücken, stark gebeugte Nacken – und vermutlich baldige Nackenschmerzen.
Doch da, ein Lichtblick: 3 Personen stechen hervor. Sie spielen Karten. Ihre Haltung ist aufrecht, sie bewegen sich dynamisch, lachen und wechseln oft die Position – nicht aus Not, sondern aus Freude und Einsatz.
Mein Fazit?
Vielleicht sollte die Bahn Kartenspiele als Gesundheitsprophylaxe verteilen. Denn was ich sehe, ist ein Paradebeispiel dafür, wie unser modernes Sitz- und Nutzungsverhalten unsere Gesundheit beeinflusst. Stundenlange starre Haltungen, gebeugte Köpfe und gekrümmte Rücken führen zwangsläufig zu Beschwerden, die ich nur zu gut aus meiner Sprechstunde kenne.
Am Montag werde ich sicher wieder Patienten begrüßen, die von Nacken- und Rückenschmerzen geplagt sind – möglicherweise genau wegen solcher Alltagssituationen. Dabei wäre die Lösung oft so einfach: ein Spiel, ein Gespräch, ein wenig Bewegung.
Karten im Zug – für den Rücken
Wir können viel für unsere Gesundheit tun, indem wir kleine Gewohnheiten hinterfragen und ändern. Vielleicht starten wir ja mit einer Partie Karten im Zug – der Rücken wird es uns danken!
Bild: Bild von Willi Heidelbach auf Pixabay
